Dienstag, 12. Januar 2010

Der neue Meldezettel mit Eingetragener Partnerschaft öffnet Tür und Tor für Datenmissbrauch

Die neuen amtlichen Meldezetteln sind da. Und es kam, wie es zu befürchten war. Nicht nur sind "Eingetragene Partner" nicht verheiratet. Sie sind auch nicht geschieden und nicht verwitwet, sondern "aufgelöst" oder "hinterblieben".

Somit stehen im Punkt "Personenstand" folgende sieben Kästchen zur Auswahl und sind zum Ankreuzen:

Man kennt meine Position: Ich halte die Ungleichbehandlung heterosexueller Ehen und homosexueller Partnerschaften für diskriminierend, absurd und sachlich ungerechtfertigt. Darauf will ich aber hier nicht mehr tiefer eingehen.

Denn das wirklich gefährliche an dieser Situation: Es ermöglicht das Sammeln höchst sensibler Daten - nämlich die über die sexuelle Orientierung! Man erinnere sich nur an die illegalen EKIS-Abfragen, die immer wieder vorkamen. Oder man erinnere sich daran, dass ein früherer Innenminister persönliche Asyl-Akten Medien zukommen ließ. Man erinnere sich auch daran, wie oft man woauchimmer (auch bei Privaten) einen Meldezettel vorweisen musste.

Missbrauch von Daten hat es immer gegeben. Mit diesem Meldezettel bist du immer geoutet - bis in den Tod. Einmal verpartnert, immer aktenkundig sozusagen. Das öffnet Tür und Tor für Datenmissbrauch.

Und demnächst werden wohl alle ihre Formulare umstellen: Von den Hotels bis zu Fitnessstudios - und überall können munter Daten über die sexuelle Orientierung gesammelt werden. Danke, Frau Maria Fekter. Sie haben es wieder geschafft zu demonstrieren, wie sehr sie Lesben und Schwule missachten.

13 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Einfach nur arg! Daten über die sexuelle Orientierung aufzuzeichnen - dachte ich - ist illegal, d.h. widerspricht dem Datenschutzgesetz. Könnte man darauf nicht Klagen aufbauen?
Markus

Anonym hat gesagt…

es ist einfach ein WAHNSINN!!!!

Anonym hat gesagt…

Tjo, warum nähen sie uns einfach nicht wieder rosa Winkel auf die Kleidung? Dann weiß auch jeder gleich bescheid....

Also man muss das ja schon fast überall ausfüllen, ich will net das mein Bankbeamter, der Rezeptionist im Hotel oder sonst wer gleich über alles bescheid weiß.

Zwangsouting auf höchster Ebene.......

Ich denke schon das das Menschenrechtswidrig ist.

lg P

Martin hat gesagt…

Muss man da eigentlich die wahrheit ankreuzen?

Thomas R. Koll hat gesagt…

Da fehlen eindeutig nach Kastl für Schizophrene und Erwachsene die unsichtbare Freunde haben.
Und für alle facebook fans natürlich "It's complicated"

saibot hat gesagt…

Da bin ich nicht unbedingt deiner Meinung.
1. Die Bezeichnungen auf dem Meldezettel find ich OK (wie sollte man es sonst machen?). Eine eingetragene Partnerschaft ist eben (z.Z. noch) keine Ehe und daher müssen eigene Begriffe auf den Zettel.
2. Wenn - und ich bin sicher das kommt bald - sich auch "Heteros" eintragen lassen wird der Rückschluss auf sexuelle Orientierung hinfällig. In Frankreich z.B. lassen sich schon mehr hetero-Paare eintragen als homo-Paare, weil schnell, unkompliziert und leichter zu lösen...

Man sollte vieleicht nicht immer sofort 100% fordern. M.E. kommt man mit einer Schritt-für-Schritt Strategie oft weiter.

Hans hat gesagt…

@saibot - diese Schritt für Schritt Strategie geht aber über die Menschenrechte drüber. Wenn ich in einem neuen Job den Meldezettel vorlegen muss, bin ich gleich mal geoutet. Für Outing am Arbeitsplatz muss man seine KollegInnen und Chefs aber erstmal kennenlernen. Das ist Zwangsouting. Und bei dieser Schritt für Schritt-Strategie verlieren Leute ihre Jobs.

www.erstaunlich.at hat gesagt…

Sg. Hr. Schreuder!
Jetzt ist aber die Verwirrung komplett. Was ist jetzt wirklich diskriminierend?

http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=530:bekennende-homosexuelle-wollen-zwar-rechte-aber-keine-pflichten&catid=1:erstaunliches

Martin hat gesagt…

@Hans: ganz meine meinung. Solange sich aus der eingetragenen Partnerschaft direkt sensible informationen ableiten lassen, gehört das nicht in der Form erfasst...

Ansonsten bin ich auch fan von kleinen Schritten

Peter hat gesagt…

Servus Marco,

Ist die rechtliche Möglichkeit der eingetragenen Partnerschaft exklusiv gleichgeschlechtlichen Partnern vorenthalten? Denn nur wenn dies so wäre, wäre der Eintrag einer Partnerschaft (Oder deren Auflösung) auf dem Meldezettel ein eindeutiger Hinweis der sexuellen Orientierung.

Da Homosexualität nicht strafbar ist in Österreich frage ich mich natürlich, welche Art von Datenmißbrauch mit den neuen Informationen auf dem Meldezettel betrieben werden können?

Menschen, die sich heute in einer Partnerschaft zueinander bekennen, wollen dies ja wohl auch bis zu einem gewissen Grad amtlich machen - und wenn´s dann amtlich erfasst wird, dann passt´s auch wieder nicht?

Die Heteroehe ist ja auch auf dem Meldezettel vermerkt - also warum soll es da einen Unterschied geben?

Mein Freund und ich sind seit 15 Jahren zusammen und werden uns vermutlich für die eingetragene Partnerschaft vormerken lassen. Und ich wünsche mir schon, dass auf dem Meldezettel steht, was Sache ist. Man muss nicht stolz darauf sein, dass man schwul oder hetero ist - aber man sollte auch keine Angst davor haben, dies in allen Lebenslagen als Teil der eigenen Persönlichkeit anzuerkennen.

Und je mehr Partnerschaften eingetragen sind und dies auch auf den Meldezetteln vermerkt ist, desto selbstverständlicher wird auch für alle Mitmenschen der Umgang mit dieser Tatsache.

Outen kann man sich nur ganz oder gar nicht. Ein bisserl outen gilt nicht.

lg/Peter

Marco Schreuder hat gesagt…

Lieber Peter,

du hast schon recht, auch ich will eine Gesellschaft, in der sich jede/r outet und eine Gesellschaft, wo das kein Problem ist. Aber was, wenn man in einem Job arbeitet, wo es einen homophoben Chef gibt, und der sieht das am Meldezettel und schmeißt den/die Mitarbeiter_im raus? Was, wenn deine Bank, deine Versicherung, Privatfirmen, etc. die Daten sammeln (denn überall musst du Meldezettel vorlegen), und diese dann vielleicht sogar verkaufen, weil eine andere Firma direkt Lesben und Schwule anwerben will? Was, wenn di Drittstaatsangehöriger - zum Beispiel Iraner - bist und du musst um überhaupt bei deinem Partner leben zu können eine Partnerschaft eingehen. Deine Iranische Familie weiß das aber nicht.

Es ist leider so, dass wir noch nicht in einer Welt ohne Homophobie leben, wie Fekter ja leider beweist. In einer Idealwelt hast du recht. Aber so ist es nich nicht.

Und der Unterschied zu "geouteten" Heteros (verheiratet): Diese werden nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert!

Peter hat gesagt…

Naja, nachdem dieser Mißstand ja nun deutlich und öffentlich gemacht wurde, besteht ja die Chance, dass hier nachgebessert wird.

@Marco: Geht da noch was?

Ben Hemmens hat gesagt…

Ja, eine Sauerei. Weg damit.